Zum Schuljahr 2024/2025 kamen fünf neue Lehrerinnen ans DFG: Frau Gambietz, Frau Ehrhardt, Mme Mer, Frau Kamp und Mme Rohmer. Nach ihrer Bilanz des ersten Jahres gefragt, gaben sie breitwillig Auskunft über alles, was sie bewegt und berührt hat, von Krebsforschung über Suchtprobleme bis hin zu KI.
Frau Gambietz
Frage: Woher kommt die Liebe zu den Fächern, die Sie unterrichten?
Frau Gambietz: Ich habe Mathematik studiert, es war das Fach, das mir in der Schule am meisten Spaß gemacht hat. Danach habe ich in der Krebsforschung gearbeitet. An sich ist das eine gute Sache, aber die soziale Komponente hat gefehlt, und die Arbeit am Computer war einseitig. Ich habe gekündigt. Nach einem Jahr der Arbeit in einem nahegelegenen Internat war für mich diese neue Richtung klar. Ich habe erneut studiert, diesmal Physik, für das ich mich zu interessieren begonnen hatte, auf Lehramt in Stuttgart.
Frage: Wie haben Sie das DFG gerade am Anfang des Schuljahres wahrgenommen?
Frau Gambietz: Auch wenn sich die meisten Schulen von der Struktur her ähneln, unterschiedet sich das DFG durch seine Zweigleisigkeit: Die Doppelführung, von der nebenbei gesagt eine große Offenheit ausgeht, war ungewohnt. Dann spielen Handys eine deutlich kleinere Rolle als an vergleichbar großen Schulen, wo z.T. 20 Handys pro Tag eingesammelt wurden. Und schließlich spüre ich viel Motivation in der Schule, sowohl vonseiten der Lehrkräfte, als auch vonseiten der Schüler*innen. Das ist nicht nur auf den Unterricht bezogen, sondern auch oder sogar gerade auf die ganzen AGs und Projekte, die hier veranstaltet werden.
Frage: Projekte? Was für welche? Waren Sie mit von der Partie?
Frau Gambietz: Unter Anderem hat sich dieses Jahr eine Antidiskriminierungsgruppe gegründet. Zugegeben: Ich bin kein großer Player darin, ich wollte erstmal richtig ankommen. Aber wir haben manches bewegt und auch die Pride Week initiiert. In diesem Rahmen gab es viele spannende Veranstaltungen, z. Bsp. die lebende Bibliothek, in der u. A. mein Kollege M. Boucher engagiert war. Aber ich habe auch gemerkt, dass noch viel getan werden muss, damit sich wirklich alle am DFG wohlfühlen. Ich wünsche mir eine offenere Schule und setze mich dafür ein.
Frage: Sie sagten, dass Sie Mathe und Physik unterrichten, zwei unter Schüler*innen umstrittene Fächer. Was macht Ihnen am Unterrichten dieser Fächer besonders Freude?
Frau Gambietz: Es gibt diese Phasen, vielleicht ein oder zwei Mal pro Tag, wo eine gespannte und aufmerksame Stimmung im Klassenzimmer herrscht. Wenn ich merke, dass ich zu jedem*r Einzelnen durchdringe, und es in den Köpfen "Klick!" macht, dann macht mich das total glücklich, weil ich meine Liebe zu den Wissenschaften weitergeben konnte und weiß, dass etwas mitgenommen wird.
Frage: Und was ist mit besonders lustigen Situationen?
Frau Gambietz: Davon gibt es an unserer Schue natürlich auch viele. Besonders im Gedächtnis blieb mir eine davon, in einer 7. Klasse. Am Valentinstag kam ein Junge im Anzug mit einem Strauß Blumen und hat ihn einem Mädchen geschenkt. Das war echt süß.
Frage: Über welche Punkte, an denen man noch arbeiten muss, werden Sie in den Ferienwochen nachdenken?
Frau Gambietz: Wir müssen einen besseren Umgang mit Mobbing finden, es müsste Strategien geben, die den Lehrkräften einfach in die Hand gedrückt werden können. Mobbing ist schulübergreifend ein echtes Problem und die Lehrkräfte sollten verpflichtet sein einzugreifen. Ein anderer Punkt ist, dass an Physik und Mathe teilweise anders herangegangen werden muss, um Mädchen besser zu fördern. Oft entsteht mit gesellschaftlicher Prägung eine Dynamik, die Mädchen Stück für Stück aus diesen Fächern herausdrängt.
Frage: Eine letzte Frage: Was wünschen Sie sich von Ihren Schüler*innen?
Frau Gambietz: Offenheit, das ist meiner Sicht nach der Schlüssel zu allem. Stellt Fragen, egal wie viele, und macht euch keine Sorgen, in irgendeiner Weise für dumm gehalten zu werden. Das seid ihr nicht, jede Frage bringt uns weiter. Neben den Fragen wünsche ich mir allgemein mehr Kommunikation. Wenn ihr etwas schlecht findet, sagt es mir, wenn ihr etwas gut findet, sagt es mir! Das macht das Schulleben sehr viel entspannter.
Frau Ehrhardt
Frage: Woher kommt die Liebe zu dem Fach, das Sie unterrichten?
Frau Ehrhardt: Ich glaube, meine Ausgangsfrage, die mich zum Studium der Sinologie und Philosophie und weiteren Fächern gebracht hat, beschäftigt mich noch immer und in jeder Unterrichtsstunde wieder neu: Wie funktioniert eine Sprache aus Zeichen, in der Verben zum Beispiel nicht konjugiert werden können und auch keine Zeitformen verraten? Weil ich diese Frage so spannend finde, habe ich irgendwann begonnen zu unterrichten, um vielleicht von meinem Interesse und meinen Erfahrungen in China etwas weitergeben zu können. Das Deutsch-Französische Gymnasium ist dazu ein toller Ort, auch weil in meiner Familie auch zwei Sprachen gesprochen werden.
Frage: Wie lange brauchten Sie, um sich einzuleben?
Frau Ehrhardt: Die Chinesisch-Lerngruppen und das ganze Kollegium am DFG haben mich alle so richtig nett aufgenommen, da habe ich mich schnell eingelebt. Dass man am DFG ständig viele verschiedene Sprachen hört und spricht, finde ich fantastisch! Das ist vielleicht nicht an allen Schulen so.
Frage: Was macht Ihnen besonders Freude in Ihrem Unterricht?
Frau Ehrhardt: Viel Spaß macht mir, mit den Schüler:innen sehr viel oder fast nur Chinesisch zu sprechen. Trotz der großen Offenheit für Sprachen, ist das vielleicht manchmal etwas anstrengend für die Schüler:innen, dann neben Französisch, Deutsch und Englisch noch mal andere Laute aufnehmen zu müssen. In meinen mittelgroßen oder kleinen Lerngruppen ist das möglich.
Frage: Wären Sie selbst Schülerin, kämen Sie hierher? Wollen Sie als Lehrerin etwas verändern?
Frau Ehrhardt: Auf jeden Fall würde ich auf das DFG gehen, wenn ich mich für ein Gymnasium entscheiden müsste. Es war ein tolles erstes Schuljahr für mich, das wie im Fluge vergangen ist. Bewegt hat mich vieles, verändern möchte ich nichts.
Mme Mer
Question: D'où vient la passion pour la matière que vous enseignée ?
Mme Mer: La biologie me plaît depuis le collège; j'aime bien découvrir et comprendre ce qui m'entoure.
Question: Pourquoi est-ce que vous êtes venue à Fribourg et il vous fallait combien de temps pour vous installer au LFA?
Mme Mer: Fribourg était une partie par hasard, il y avait un poste disponible au moment de ma recherche. De plus, je voulait habiter en Europe, plus près de mes proches, et dans une petite ville. Avant, j'avais enseigné au Bénin et à La Réunion.
Mme Mer: Fribourg était une partie par hasard, il y avait un poste disponible au moment de ma recherche. De plus, je voulait habiter en Europe, plus près de mes proches, et dans une petite ville. Avant, j'avais enseigné au Bénin et à La Réunion.
Question: Qu'est-ce qui vous fait le plus plaisir ?
Mme Mer: Quand je vois qu'il y a des élèves qui ne font normalement pas attention et qui, soudainement, trouvent du plaisir aux expériences (TP), ça me rend heureuse. Exemple: J'ai des élèves de 4e qui ne sont pas très motivées en classe. Nous avons fait une séance de TP dissection de poumons et j'ai pu voir ces élèves très investies, qui allaient toucher les poumons à main nue (sans gant) et qui étaient très très motivées, j'ai beaucoup aimé ce cours avec elles !
Question: Qu'elles similarités y a-t-il dans toutes les écoles?
Mme Mer: Il y a toujours un prof et des élèves, à mon avis, il n'y a pas plus de similarités !
Question: Si vous étiez une élève vous-mêmes, iriez-vous ici ?
Mme Mer: Je ne sais pas: Pour les élèves venants de la France, le trajet et très long et je constate qu'il y a beaucoup de stress par rapport aux notes. Mais de l'autre côté, je trouve que le LFA est une chance car il y a un tas d'opportunités (AGs, échanges scolaires, évènements organisés...) et beaucoup d'autonomie, c'est très enrichissant.
Frau Kamp
Frage: Weshalb unterrichten Sie Geschichte?
Frau Kamp: Mein Geschichtesinteresse kommt aus dem Elternhaus; ich habe viel mit meiner Großmuttr über die Vergangenheit geredet, mir davon erzählen lassen und es deshalb auch studiert. Zu Gute kam mir dabei auch meine humanistische Bildung, ich war auf einem humanistischen Gymnasium und habe so erst Letein und Altgriechisch gelernt. Dann ist Geschichte das Fach, wo man aus allen Facetten über den Menschen nachdenkt, alles, was der Mensch produziert hat, wie Literatur, naturwissenschaftliche Erkenntnisse ergeben die Geschichte. Und das finde ich sehr spannend.
Frage: Wie kamen Sie ans DFG?
Frage: Wie kamen Sie ans DFG?
Frau Kamp: Ich habe mal in Mailand gearbeitet, das ist aber jetzt schon zehn Jahre her, und in meiner Schule in der Nähe von Karlsruhe habe ich angefangen, mich zu langweilen. Ich wollte wieder eine organisatorische Aufgabe und eine internationalere Schule.
Frage: Wie lange brauchten Sie um sich einzuleben?
FraunKamp: Wenn es darum geht, mich mit den Kollegen zu beschäftigen, mich im Kollegium relativ wohlzufühlen, dann geht das sehr schnell, das Kollegium ist sehr freundlich, die Schüler ebenfalls. Was die Abläufe in der Schule angeht, bin ich immer noch nicht ganz drin. Die Schule ist kompliziert organisiert, ich brauche noch ein Jahr.
FraunKamp: Wenn es darum geht, mich mit den Kollegen zu beschäftigen, mich im Kollegium relativ wohlzufühlen, dann geht das sehr schnell, das Kollegium ist sehr freundlich, die Schüler ebenfalls. Was die Abläufe in der Schule angeht, bin ich immer noch nicht ganz drin. Die Schule ist kompliziert organisiert, ich brauche noch ein Jahr.
Frage: Komplizierter als an anderen Schulen?
Frau Kamp: Nicht unbedingt, aber hier ist es kulturell gemischt, alles ist lebendiger, lauter, spritziger. Es erinnert mich an die Schule in Mailand, die auch sehr international war, nur dass jetzt auch Franzosen in meinem Unterricht sitzen, die wiederum ganz andere Sachen mitbringen.
Frau Kamp: Nicht unbedingt, aber hier ist es kulturell gemischt, alles ist lebendiger, lauter, spritziger. Es erinnert mich an die Schule in Mailand, die auch sehr international war, nur dass jetzt auch Franzosen in meinem Unterricht sitzen, die wiederum ganz andere Sachen mitbringen.
Frage: Was macht Ihnen besonders Freude am Unterrichten?
Frau Kamp: Wenn die Schüler neugierig werden, das Wissen, das man ihnen eintrichtert, auch wirklich haben wollen. Und ich mag es, wenn Bewegung da ist, und spontane, inhaltliche Diskussionen entstehen.
Frage: Was wünschen Sie sich von Ihren Schüler*innen?
Frau Kamp: Neugier, Interesse... Dass nicht jeder Geschichte mag, ist klar, aber das Interesse, sich auf etwas Neues einzulassen, obwohl man es nicht mag, sollte da sein. Lust am Denken.
Frage: Was wünschen Sie sich von Ihren Schüler*innen?
Frau Kamp: Neugier, Interesse... Dass nicht jeder Geschichte mag, ist klar, aber das Interesse, sich auf etwas Neues einzulassen, obwohl man es nicht mag, sollte da sein. Lust am Denken.
Frage: Zum Abschluss: Was war die lustigste Situation, in der Sie sich in der Schule befanden?
Frau Kamp: Es gab eine sehr lustige Situation, die hat sich aber nicht am DFG abgespielt: Ich war sehr genervt, hatte keine Lust mehr auf meine Klasse und auf dem Weg ins Lehrerzimmer hat mir dann eine Schülerin gesagt: Frau Kamp, Sie waren so sauer, dass es gut war, dass Sie Ihren Finger nicht in Milch gehalten haben. Sie wäre direkt zu Joghurt geworden.
Mme Rohmer
Frage: Weshalb mögen Sie die Schule,wie kamen Sie darauf, Lehrerin zu werden?
Mme Rohmer: Ich hatte eine schöne Schulzeit hier am DFG. Was mir im Nachhinein erst aufgefallen ist, ist, dass man in der Schule von Allem viel lernt, das geht im Berufsleben oft unter. Nach meiner Schulzeit habe ich Sciences Politiques in Frankreich studiert, aber schnell ist mir aufgefallen, dass die soziale Komponente fehlt. So ließ ich mich in der Abendschule zur Sozialarbeiterin ausbilden und habe danach mit prostituierten Frauen und schwangeren Frauen mit Suchtproblemen gearbeitet. Aber hier hat mir ein bisschen das Intellektuelle gefehlt. Und dann kam ich wieder in die Schule und versuche seitdem, das Erlebnis des Lernens weiterzugeben.
Frage: Wie lange brauchten Sie, um am DFG anzukommen?
Mme Rohmer: Die Wiederankunft dauerte etwa bis zu den Weihnachtsferien, da hatte ich dann langsam die ganze Organisation im Griff und konnte mich mehr entspannen.
Frage:Was macht Ihnen besonders Freude am Unterrichten?
Mme Rohmer: Ich bin sehr gerne Klassenlehrerin meiner 5. Klasse, man lernt die Schüler viel persönlicher kennen. Ich versuche mich an einem kooperativen Unterrichtsstil, d.h. meine Schüler machen mir oft Vorschläge. Und die sind oftmals sinnvoll und wir setzen sie um! So wird das Lernen beidseitig.
Frage: Sie scheinen ja ein gutes Verhältnis zu ihnen zu haben. Gibt es auch etwas, das Sie sich von ihnen wünschen?
Mme Rohmer: Neben proaktiver Rückmeldung wünsche ich mir gerade in der Oberstufe eine strukturiertere Arbeitsweise von meinen Schülern. Und auch wenn ich wenig dagegen tun kann und wir Lehrer es auch benutzen: Ich will keine KI bewerten! Unser Kollegium müsste sich zusammensetzen und einen Plan entwickeln, damit richtig umzugehen.
Frage: Welche bemerkenswerten Situationen haben Sie dieses Schuljahr erlebt?
Mme Rohmer: Auf der Klassenfahrt am Ende des Schuljahres sollte es eine Party geben. Alle Lehrer haben mit Chaos und Drama gerechnet, aber es wurde so schön. Ich habe mitgetanzt, mitgelacht und schließlich sogar meine Kollegen von einer Verlängerung überzeugt. Es waren die schönsten Minuten des Schuljahres.
Wenn ich weiß, welche Probleme meine Schüler zu Hause haben und wie sehr sie sich in die Schule hängen, bin ich bewegt. Und natürlich die Solidarität, die sich in kleinen Gesten zeigt, rührt mich jedes Mal.
Projekt, Interviews und Transkription: Aurelia Ayen-Hutt

