Könnten Sie sich kurz vorstellen – Ihr Name, Ihr beruflicher Werdegang und Ihre letzte Stelle vor unserer Schule?
Ich heiße Nathalie Hablainville, und mein beruflicher Werdegang war schon immer eng mit dem Unterrichten und der Begleitung von Schüler:innen verbunden. Ich hatte das Glück, auf praktisch allen Stufen zu unterrichten: an der Universität, an einer Schule (Collège und Lycée) für blinde und sehbehinderte Schüler:innen, am Collège und am Lycée, aber auch in der École maternelle und in der Grundschule. Es gibt letztlich nur eine Stufe, die ich noch nicht kenne: die „petite section“, das erste Jahr der École maternelle! (Ich arbeite daran … aber die ganz Kleinen haben manchmal einen sehr vollen Terminkalender.)
Diese Vielfalt an Erfahrungen hat mir sehr viel gegeben und mich ganz unterschiedliche Schüler:innen, Bedürfnisse und Lernwege kennenlernen lassen. Außerdem hatte ich das Glück, in mehreren Ländern zu arbeiten: in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz.
Vor allem hat sie mich gelehrt, dass es nicht nur eine einzige Art gibt, zu unterrichten oder ein Kind oder einen jungen Menschen zu begleiten. Jedes Alter, jeder Mensch und jede Situation verlangen Zuhören, Anpassungsfähigkeit und manchmal viel Geduld (vor allem, wenn man dieselbe Arbeitsanweisung zum dritten Mal erklären muss …).
Im Laufe meines Werdegangs ist nach und nach der Wunsch entstanden, diese Erfahrung in den Dienst einer Schule als Ganzes zu stellen. Schulleitung ist für mich eine andere Art der Begleitung: nicht nur der Schüler:innen, sondern auch der Lehrkräfte und aller Erwachsenen, die die Schule mit Leben füllen.
Bevor ich an unsere Schule kam, war ich Schulleiterin in der Schweiz. Ich möchte aber betonen, dass die deutsch-französischen Gymnasien für mich kein Neuland sind, denn ich hatte vor einigen Jahren das Glück, am DFG Buc zu arbeiten.
Was hat Sie ursprünglich dazu gebracht, im Bildungswesen zu arbeiten und später die Leitung einer Schule zu übernehmen?
Was mich am Unterrichten angezogen hat, ist vor allem die menschliche Dimension. Wir arbeiten mit Kindern und Jugendlichen in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung. Sie begleiten zu können, ihnen beim Vorankommen zu helfen, sie zu ermutigen, wenn sie zweifeln, und ihnen Selbstvertrauen zu geben, war für mich immer eine wichtige Quelle der Motivation.
Die Schulleitung hat sich als Weiterentwicklung meines Weges ergeben. Ich wollte in einem größeren Rahmen etwas beitragen und daran mitwirken, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Schüler:innen, aber auch die Erwachsenen gut arbeiten können und sich unterstützt fühlen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir uns aufeinander verlassen können müssen. Die Tage sind intensiv, die Aufgaben zahlreich, und unsere Rolle besteht darin, da zu sein, um Kinder wie Erwachsene zu begleiten und zu unterstützen. Dafür muss man präsent sein, aber auch zuhören und sich Zeit nehmen können (auch wenn die Schulklingel sich diese Zeit nie nimmt).
Womit beschäftigen Sie sich gern, wenn Sie nicht in der Schule sind?
Die Natur nimmt in meinem Leben einen wichtigen Platz ein. Besonders gern entfliehe ich in die Berge, wandere, gewinne Abstand und finde ein wenig Ruhe. Das ist für mich eine echte Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen (und manchmal auch zu prüfen, ob meine Beine nach einem Tag voller Sitzungen noch funktionieren).
Ich lese auch viel und höre leidenschaftlich gern Musik. Das Reisen ist eine echte Leidenschaft von mir. Es vergehen übrigens selten Ferien, ohne dass ich irgendwohin fahre! Andere Länder, andere Kulturen und andere Lebensweisen zu entdecken, bereichert mich ungemein.
Und dann spielt natürlich meine Familie eine zentrale Rolle in meinem Leben. Diese Momente ermöglichen es, zusammenzukommen, sich auszutauschen und die Batterien wieder aufzuladen.
Ich denke, dass es in einem so anspruchsvollen Beruf wie der Schulleitung unerlässlich ist, neue Kraft schöpfen zu können. Unsere Tage sind intensiv, und wir müssen unsere Kräfte bewahren, um für andere da sein zu können. Auf sich selbst zu achten ist also kein Luxus: Es ist auch ein Weg, die Menschen, die auf uns zählen, besser begleiten zu können.
Was verstehen Sie unter einer guten Schulleitung – welche Werte sind Ihnen besonders wichtig?
Für mich beruht eine gute Schulleitung zuallererst auf den zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist wichtig, dass sich alle wahrgenommen fühlen, ob Schüler:innen, Lehrkräfte, Mitarbeiter:innen oder Eltern. Das mag einfach klingen, aber in einer Gesellschaft, in der alles sehr schnell geht, nehmen wir uns nicht mehr immer die Zeit, uns wirklich für andere zu interessieren.
Ich glaube, dass wir genau diese Zeit wiederfinden müssen: sich Zeit nehmen, um zu reden, zuzuhören und zu verstehen, bevor man urteilt. Soziale Beziehungen sind in meinen Augen das Fundament jeder Gesellschaft, und die Schule spielt beim Erlernen des Zusammenlebens eine wesentliche Rolle.
Das bedeutet nicht, dass man keine Ansprüche oder klaren Regeln haben sollte. Im Gegenteil: Ich denke, dass ein Rahmen, der Sicherheit gibt, es allen ermöglicht, ihren Platz zu finden. Dieser Rahmen muss aber von Vertrauen, Respekt, Wohlwollen und Verantwortung begleitet sein.
Schließlich glaube ich sehr an das Gleichgewicht: ein Gleichgewicht zwischen Arbeit und Freude am Lernen, zwischen Anforderungen und dem Recht, Fehler zu machen, zwischen den Momenten, in denen man für sich allein vorankommt, und jenen, in denen man sich einfach die Zeit nimmt, zusammenzuleben, einander zu begegnen und sich auszutauschen (und manchmal auch gemeinsam zu lachen, selbst über die kleinen Sorgen des Alltags).
Gibt es etwas, das Sie den Schüler:innen zu Beginn Ihrer Amtszeit mit auf den Weg geben möchten?
Ich möchte ihnen vor allem vermitteln, wie wichtig der Respekt vor anderen und das Zusammenleben sind.
Die Schule ist natürlich ein Ort, an dem man lernt, Wissen erwirbt und sich auf die Zukunft vorbereitet. Sie ist aber auch ein Ort, an dem man lernt, mit unterschiedlichen Menschen zu leben, zuzuhören, miteinander zu reden, zusammenzuarbeiten und manchmal zu akzeptieren, dass der andere anders denkt.
Ich möchte ihnen sagen, dass sie auf uns zählen können. Wir sind da, um sie zu begleiten, zu ermutigen und ihnen beim Vorankommen zu helfen, auch in den Momenten, in denen es schwieriger ist. Dieses Vertrauen gilt aber in beide Richtungen: Wir erwarten auch von ihnen, dass sie nach und nach Verantwortung übernehmen und dazu beitragen, unsere Schule zu einem angenehmen und respektvollen Ort für alle zu machen. Alle haben dabei ihre Rolle zu spielen.
Und vielleicht vor allem wünsche ich mir, dass sie sich die Freude am Lernen bewahren. Die Schule darf nicht nur eine Abfolge von Pflichten und Ergebnissen sein. Sie soll auch ein Ort der Entdeckungen, der Begegnungen, der Neugier und der persönlichen Entwicklung sein.
Vielen Dank für diese Einblicke. Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Zeit am DFG Freiburg!

